Archiv der Kategorie: Scooter

70ccm-Sprint Zenith Dragster

Nach den sehr guten erfolgen mit der Straßenzugelassenen TPH in der Maxi Sprint Klasse schnüffelte ich Luft (oder sollte ich sagen Benzin?) nach mehr.DSC00179

Binnen Rekordzeit von 3 Wochen stellte ich einen 70ccm DragRace Sprinter auf Basis eines Mofas her.
Die Basis ist ein Baujahr 1995 Hercules Zenith, welcher Jahrelang als 25ccm Mofa durch die Straßen des Odenwaldes ritt. Nach einer Komplett entrümpelung fand in
dem Hercules Mofa ein Piaggio 50ccm Zip RST Motor platz.

Das Mofa wurde komplett entkernt, nun schmückt nur noch die Verkleidung den neugestalteten Zentralrohrrahmen.Die Verkleidung sowie der Innenraum wurden komplett Lackiert und darf sich dank wasserfesten Griptape auch vor Schmutz geschützt fühlen. Außerdem wurde eine Radstandverlängerung realisiert.

frame1            frame2 frame3

Der Motor stammt aus einer Zip 50 RST und arbeitet nun nach einer Überholung mit folgenden Teilen:

Kurbeltrieb:
– Stage6 Kurbelwelle mit aufgepressten 85mm Titanpleuel der R/T Welle
– SKF Rillenkugellager mit Metallkäfig
– Stage6 AC Racing Zylinder
– Innenrotor mit ausgelesener Zündkurve + Nachjustierung
– Stage6 R1400 Resonanzauspuff

Antrieb:
– Malossi 134mm Riemenscheiben an Wandler
– Malossi MHR Variomatik
– Lüfterlose Riemenscheibe
– ZIP RST bearbeitete Kickeraufnahme
– Primärgetriebe mit umgepressten Zwischengelege

Perepherie:
– Keihin 24mm Vergaser auf 26mm aufgedreht
– 60mm Ansaugkelch
– Righetti Luftfilter
– Original Membran*
– Ansaugstutzen eines 180 Gilera Runners

Sonstiges:
– Tommaselli Gasgriff
– M-Lenker mit Tüv
– Felt Lenkeraufnahme
-Tieferlegung durch Rahmenänderung und Gabelbearbeitung.

Erste Leistungsmessungen ergaben 17PS am Hinterrad, bei einer Drehzahl von 11800 U/Min. Die Spitzenleistung ließ zu wünschen übrig, jedoch überzeugt mich das starke Drehmomentband des Motors bei einer geringen Leistungsdrehzahl.

Update: 2010:
Durch ein nochmaliges aufdrehen auf 28mm Vergaserdurchmesser und einer geänderten Membran konnte die Leistung nun auf 19PS bei 12000U/Min gesteigert werden.

Der nächste Schritt ist eine vergrößerung des Einlassquerschnittes um das 1,5fache mittels einer Membranadaption. Der Zylinder hält immernoch tapfer durch. Hier sind auch noch ein paar PS zu holen…

Update 2011:
Mit nun umgebauten Einlasstrakt und nachträglich bearbeiteten Strömungsquerschnitt konnte ich auf den luftgekühlten Zip-Motor eine Leistung von 22,8PS bei 11.400U/Min am Hinterrad verbuchen.

Vespa PX Membran Adaption für Piaggio Maxi Motor

Scootermotoren werden Werksseitig auf 3-4 kW Leistung ausgelegt. Ganz klar das bei Leistungssteigerungen hier und da unterdimensionierte Bereiche zum Vorschein kommen, die ein gutes Setting gerade zu drosseln. Eine meist nicht beachtete Engstelle stellt die Originale Einlassmembran dar.
Bei Maximotoren wohl eine Stelle, der mehr Beachtung geschenkt werden sollte, jedoch auch für 50-70ccm Motoren eine oft vernachlässigte Potentialmöglichkeit.


Einlassquerschnitt/Vorverdichtung:
Auf dem Scootermarkt gibt es viele Ansaugsysteme die per Plug&Play auf den werksseitigen Einlass aufgeschraubt werden, und somit das fahren von größeren Membranen ermöglichen.

Solche Systeme ändern den Kurbelwellen Volumenraum immens, und somit bringen sie eine erhebliche Vorverdichtungsverkleinerung mit sich.
Jeh nach Motorkonzept kann von Vorteil, aber auch von Nachteil sein.
Im 70ccm Bereich ist ein Vorverdichtungsverlust meist mit schlechteren Maximalleistungen verbunden, aber auch im Maxibereich bringt eine geringere Vorverdichtung nicht immer etwas gutes mit sich. Jeh nach Einsatzbereich des Motors sollte hier entschieden werden.

Membran Applikation:
Durch die Membranbearbeitung am Motorblock Einlass erreicht man einen größt möglichen Gemischdurchsatz bei nur geringem Vorvedichtungsverlust.
pxmem01
Hierzu wird der Block im Einlassbereich aufgefräst um Platz für die neue Membran zu schaffen. Die Membranerweiterung mit werksseitigen Stützpunkten lässt eine maximale Querschnittsvergrößerung vom 1,5 fachem des Originalquerschnittes zu. Größere Querschnitte müssen dann mittels einer Neumodellierung oder Adaptivsystemen erreicht werden.

Beispiel Applikation einer Vespa Membran in einem Piaggio Motor:
pxmem03_1Auf den folgenden beiden Bildern sieht man eine eingebrachte Vespamembran, welche einen 1,5fachen Querschnitt im Vergleich zur Originalen Piaggio Membran aufweist. Bei Piaggiomotoren kommen zusätzlich wie im Bild zu sehen spezielle Winkelausgleichs- Adapter zum Einsatz.

Die Leistungssteigerung dieser Membran lässt sich ganz gut an meinem 70ccm Dragster
pxmem04zeigen. Dieser hatte mit dem reinen umbau der größten Zubehörmembran auf dieses
System einen Leistungszuwachs von 2,1 PS. Jedoch nicht nur die Spitzenleistung erhöhte
sich, das gesamte Leistungsband wurde angehoben.

100ccm Zylinderkopf für 2Fast Dragster

Tuningteile gibt es wie Sand am Meer! Was sich jedoch von der Masse abhebt, ist das noch nicht dagewesene! Dieses Motto soll die Saison 2010 aufmischen. Zur Unterstützung eines 100ccm Projektes habe ich einen neuen Zylinderkopf auf Basis des 2-Fast Zylinderkopfes gearbeitet. Der Zylinderkopf ist passgenau zu dem 2-Fast Wasserzylinder. Der Brennraum wurde jedoch komplett überarbeitet. Um den neuen 100ccm Motor kennen zu lernen, werden verschiedene Brennraumdesigns verwendet. Die Mission ist auch bei diesem Projekt: Pure LEISTUNG!

2fastkopf2_klein 2fastkopf3_klein 2fastkopf4_klein 2fastkopf5_klein

Piaggio TPH 180ccm

tph_hofDie Piaggio TPH schrieb ihre Geschichte hauptsächlich als 50ccm Scooter. Piaggio verpackte in den erfolgreich verkauften Scooter anschließend auch 80ccm und 125ccm Motoren. Die Motoren der 125ger Baureihe waren nahezu baugleich mit denen des Gilera Runners.

Interessant für mich war das naheliegende: Die 125ccm TPH auf 180ccm aufzurüsten und diesen Umbau mittels Fahrwerks-optimierung und Bremsleistungverbesserung für die Straße zugelassen zu bekommen.


Der Aufbau:
skrmotor1Als Basis für den Antrieb dient ein 125ccm Piaggio SKR Motor. Dieser ist in vielen Merkmalen baugleich mit dem originalen TPH Motor. Mit kleinen Modifikationen ist dieser Motor als Basis perfekt.

Kurbelwelle:
Das Herz dieses Motors bildet eine Vollwangenkurbelwelle, deren Hub um 3mm gesteigert wurde. Hierdurch erhöht sich Maßgeblich der Hubraum wie auch die Vorverdichten. Diese leistungssteigernde Maßnahme muss später für das Erlangen der Betriebserlaubnis erfasst werden! Diverse Testverfahren müssen durchlaufen werden um diese Änderung gegenüber dem Serienmotor genehmigt zu bekommen.

Zylinder:
Als Zylinder kommt ein Originaler 180ccm Zylinder aus dem Gilera Runmotorausspindeln01ner FXR zum
Einsatz. Dieser hat schon die Typgenehmigung im Runner erhalten und macht daher keine Probleme beim Einsatz im Straßenverkehr.

Damit dieser Zylinder jedoch in den Motor passt, müssen einige Änderungen am Einbausitz des Motors vorgenommen werden. Zylinderkopf ist ein CNC gefertigter Kopf der Firma Race-Base aus Kiel dessen Brennraumform speziell berechnet wurde um Mitteldruck und schlussendlich Leistungsparameter zu verbessern.

Zündeinheit:
Die Zündeinheit bleibt unverändert die originale Einheit der TPH 125. Es könnte bei bedarf auch eine Umrüstung auf die originale Einheit der Runner FXR erfolgen. Lediglich der Zündzeitpunkt wurde optimiert.

CVT-Getriebe:
Das CVT-Getriebe bleibt unverändert das originale der TPH 125, ausschließlich die Anpassung der Fliehkraftgewichte sowie der Kupplungsdruckfeder an das neue Leistungs/Drehmomentband des Motors wurde vorgenommen.

Zahnradgetriebe:
Hier wurde das Getriebe des Gilera Runner FXR verbaut.

Wasserkühlungsumrüstung:skrmotorlima1
Da der Gilera Runner FXR ab Werk mit einer Wasserkühlung ausgerüstet ist, die TPH jedoch Luftgekühlt daher kommt, muss mit der Verwendung des FXR Zylinders eine
Wasserkühlung nachgerüstet werden. Hierzu werden wiederrum am Grundmotor diverse Kanäle eingearbeitet.
Als Pumpaggregat ist Werksseitig eine drehzahlabhängige, riemengetriebene Radikalpumpe eingesetzt. Die Nachrüstung dieser Pumpe ist ebenfalls möglich und ist in einem anderen Projekt von mir auch zu sehen, erschien mir für diesen Umbau jedoch als nicht ideal. Zum Einsatz kommt daher eine Umwälzpumpe aus einer VW Standheizung. Die Pumpe hat eine Leistungsaufnahme von 10 Watt und kann somit von der originalen Lichtmaschinenleistung getragen werden. Vorteile sind die drehzahlunabhängige Steuerung des Pumpstromes.

kuehler1Um den großen FXR Wasserkühler unterzubringen wurde die Front der TPH getauscht gegen die Kaskade des Piaggio 50ccm NRG. Dieser hat Werksseitig einen 50ccm wassergekühlten Motor, was die Applikation des 180ccm Runner Kühlers einfacher machte. Es kann jedoch auch in die originale Kaskade der TPH ein Wasserradiator eingesetzt werden. Die Front bringt zusätzlich einen Vorteil mit sich: Die Scheinwerfer wurden ersetzt
gegen Streetfighter Reflektor-Scheinwerfersysteme aus einer Yamaha R1. Die Lichtstärke dieser Scheinwerfersysteme ist sehr viel höher und außerdem Typgenehmigt, was die Zulassung später erleichtert.

Fahrwerksoptimierung:
Für die Hinterachse wurde ein Bitubo Federbein eingebaut, welches für den FXR ein Teilegutachten mitbringt. An der Vorderachse wurde die Serienmäßige Federgabel entfernt. Einzug hielt eine Sebacgabel der neusten Generation aus einem Gilera Runner VXR 200. In Verbindung mit der Gabel wurde auch die Bremsanlage des 200ter Runners übernommen. Der Gabeleinbau gestaltet sich dahingehend Umständlich, da dass Lenkrohr-Längenmaß nicht dasselbe als das der TPH ist. Hierzu mussten neue Lageraufnahmen gefertigt werden.

Bremsleistungssteigerung:
Die Leistung wurde mittels einer 250mm Bremsscheibe an der Vorderachse von Galfer gesteigert. Durch Festigkeitsberechnungen an Bremssattel und Scheibe mittels Finite-Elemente-Methoden konnte auch hier die Zulässigkeit nachgewiesen werden. Die HInterachse wird herkömmlich per Trommel abgebremst. Die erforderliche Mindestabbremsung wird hiermit Gewährleistet. Weitere Leistungswerte für die Straßenzulassung werden auch mit der 110mm Trommel erbracht.

Erlangung einer neuen Betriebserlaubnis:
Hierzu muss ein Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverständigen zur Erlangung der Betriebserlaubnis (§21 StvZO) erstellt werden. Das Gutachten erfordert Tests in allen Bereichen, die der Umbau umfasst. Hierzu gehörten:

– Leistungserfassung auf einem Prüfstand inkl. Höchstgeschwinigkeitsmessung.
– Lautstärkenmessung bei Vorbeifahrt und im Stand.
– Abgasmessung aufgrund der veränderten Leistung.
– Bremsleistungsmessung und Berechnung.
– Rahmenvermessung und Berechnung der neuen Belastung.

Dem Betrieb im Straßenverkehr steht nichts mehr im Wege. Auf zur Zulassungsstelle und die Betriebserlaubnis ausstellen lassen.